16.07.2022, von Mischa Heldt ()

Als die Fluten Leid und Trauer brachten

Zum ersten Mal jährt sich die verheerende Starkregenkatastrophe an Ahr und Sauer

Als sich die Junghelferinnen und Junghelfer der THW-Jugendgruppe am 14. Juli 2021 zu ihrem wöchentlichen Dienst in der Unterkunft versammeln ahnt noch niemand, welch tragische Wendung der Tag nehmen wird. Während die Jugendlichen noch spielerisch mit den Gerätschaften der Bergungsgruppe üben, treten Ortsbeauftragter und Stabsmitglieder in der Dienststelle zusammen: Meldungen zunehmender Überschwemmungen im Eifelkreis Bitburg-Prüm erreichen sie, dazu ein klarer Einsatzauftrag: Sofortiger Einsatz aller verfügbaren Mittel der THW-Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen zur Hochwasserbekämpfung. Im Minutentakt treffen nun Kameradinnen und Kameraden ein und bereiten unter anderem die große Schmutzwasserpumpe 5000 l/min für ihren Einsatz vor, die erst einen Monat zuvor den Weg nach Freisen fand. Noch während der Abenddämmerung geht es los: Mit der Großpumpe im Schlepptau kämpft sich die Kolonne durch Verkehrsstaus in Richtung Bereitstellungsplatz auf einem Flugfeld nahe Bitburg. Von dort geht es unverzüglich weiter: Ein Wasserwerk in der Kreisstadt soll geschützt werden, doch die als die Einsatzkräfte ihr Ziel erreichen, müssen sie neben umherschwimmenden Bäumen und Gebäudeteilen feststellen, auf verlorenem Grund zu stehen.
In Alsdorf gestaltet sich die Lage zunächst anders: Mit Pumpen und Sandsäcken verteidigt man das Feuerwehrgerätehaus vor den herbeiströmenden Wassermassen, doch als der Pegel binnen Minuten sprunghaft steigt, geraten die Helferinnen und Helfer selbst in so große Gefahr, dass nur noch die eilige Flucht hilft.
Die katastrophalen Ausmaße der Flut machen sich auch an der dritten Einsatzstelle, in Mettendorf, bemerkbar: Nur noch über einen Radweg können die schweren LKW in den Ort vordringen. Brücken werden unpassierbar, auch, da flussaufwärts ein ganzes Wohngebäude weggerissen wurden, das nun in den Bauwerken einzuschlagen droht.
Insgesamt 4 Tage lang soll die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen im Eifelkreis Bitburg-Prüm im Einsatz bleiben. Nachdem die Sauer langsam an Pegel verliert pumpt man in Mettendorf und Echternacherbrück zahlreiche Keller leer und beräumt zwei Bauernhöfe von Schlamm, Wasser und Treibgut.

Während die Bewohnerinnen und Bewohner in Bitburg nach und nach in ihre Häuser zurückkehren können, wird das unfassbare Ausmaß der Zerstörung im weiter nördlich gelegenen Ahrtal mehr und mehr bekannt.

Für die Freisener THW-Mitglieder sollen die größten und längsten Einsätze noch bevorstehen. Bis in den Herbst hinein werden die Einheiten des Ortsverbandes Technische Hilfe entlang der Ahr leisten.

Zuerst rückt die Fachgruppe Wasserschaden Pumpen in das enge Tal aus, das sprichwörtlich ein Ort der Verwüstung geworden war. In Dümpelfeld gilt es, die örtliche Kläranlage schnellstmöglich von Gehölz und Schlamm zu befreien. Die für den Klärvorgang benötigten Bakterien können nämlich nur über viele Wochen hinweg in den Becken angesiedelt werden, eine möglichst frühe Vorbereitung der Anlage ist somit von hoher Priorität.

Die wichtige Arbeit des Technischen Hilfswerks im Bereich des Kanalisationsnetzes zeigt sich auch in einem weiteren mehrtägigen Einsatz bei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Hier müssen anfallende Abwässer, die nicht mehr durch die zerstörten Kanäle in ein Klärwerk geleitet werden können, von den Kameradinnen und Kameraden im Rahmen einer Notentwässerung umgeleitet werden.

Auch die Bergungsgruppe setzt ihre Expertise ein. Neun Helferinnen und Helfer befreien dabei unter anderem eine völlig zerstörte Schule in Sinzig, ehe die zunehmende Schimmelbildung im Gebäude weiter ausarten kann und leisten Abstützarbeiten an schwer beschädigten Gebäuden. Um Freiflächen für den Bau einer Behelfsbrücke zu schaffen, demontieren sie neben der Ahr in Dernau außerdem Teile der Eisenbahnstrecke. 

Im Rahmen eines Informationspunktes betreibt der Zugtrupp in Altenahr-Altenburg eine Anlaufstelle für die Bevölkerung und leitet weitere Einsätze von Feuerwehr und THW im Ort in die Wege. Sie stehen den Opfern in Altenburg, wo von rund 150 Gebäuden nur zehn vom Wasser verschont blieben, bei allen Anliegen zur Verfügung.

Einsatzkräfte des THW-Fachzugs Logistik sind rund zwei Wochen als Transportbereitschaft für die Einsatzleitung zur Stelle. Von Schrauben über Schubkarren bis zur tonnenschweren Netzersatzanlage transportieren sie täglich alle nötigen Güter in Ortschaften entlang der Ahr. In Kooperation mit der THW-Fachgruppe Elektroversorgung aus Heusweiler organisieren sie darüber hinaus in Altenburg ein Projekt, das später Schule machen wird, als sie die zerstörte Straßenbeleuchtung Schritt für Schritt reparieren und so einen wesentlichen Beitrag zur nächtlichen Sicherheit schaffen.

Als Bevölkerungsschutzorganisation des Bundes leistet das Technische Hilfswerk mit über 80.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern im gesamten Bundesgebiet Technische Hilfe im Zivilschutz sowie nach Katastrophen, öffentlichen Notständen und Unglücksfällen größeren Ausmaßes und ist darüber hinaus als Botschafter Deutschlands auch international im Einsatz. Im Freisener Ortsverband tun derzeit rund 80 aktive Helferinnen und Helfer sowie rund 45 Kinder- und Jugendliche im Rahmen der THW-Mini- und Jugendgruppe ihren Dienst zum Wohle der Allgemeinheit.


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